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Equal Care Day am 1. März 2021

Am 1. März ist Equal Care Day! Dieser Aktionstag soll – analog zum Equal Pay Day – auf die ungleiche Verteilung der Sorgearbeit hinweisen. In Schaltjahren fällt er auf den 29. Februar. Dieser Tag wird in 3 von 4 Jahren übergangen, genau wie die häufig unsichtbar ausgeübte Sorgearbeit.

Außerdem übernehmen Frauen ca. 80 % der Carearbeit, Männer brauchen also viermal solange, um den gleichen Anteil zu leisten. Die Initiative wurde vom Autor*innen-Team Almut Schnerring und Sascha Verlan gegründet, und wird inzwischen von ihrem Verein klische*esc e.V. organisiert. Im letzten Jahr fanden viele Veranstaltungen anlässlich des Aktionstages statt. Unsere Sprecherin, Almut Helvogt, nahm in Bonn an der großen ECD-Konferenz teil, auf der ein Manifesterarbeitet wurde, zu dessen Erstunterzeichnerinnen sie zählt.

Der Begriff Carearbeit umfasst sowohl berufliche als auch private und ehrenamtliche Sorgearbeit, einschließlich der Auslagerung privater Aufgaben an teils illegal beschäftige, häufig migrantisierte Personen. Sie schließt die Bildung und Erziehung von Kindern, das Pflegen von Kranken, Alten und Menschen mit Behinderung. Dabei geht es nicht nur um körpernahe Tätigkeiten, auch Putzen, Waschen, Kochen, Einkaufen…. ist für die Versorgung aller Menschen notwendig.

Nicht zu unterschätzen ist, dass all diese Dinge auch geplant werden müssen. Wer denkt an Geburtstage und sucht Geschenke aus? Wer schreibt den Einkaufszettel? Ist das Lieblingskleid des Kindes rechtzeitig zur Feier des besten Freundes gewaschen und gebügelt? Ist das Waschmittel schon wieder leer? Diesen „Mental Load“ tragen zum überwiegenden Teil ebenfalls Frauen.

Der große Unterschied bezüglich des Anteils der Carearbeit, der Gender Care Gap, steht in direktem Zusammenhang mit dem Gender Pay Gap. Careberufe werden schlecht bezahlt. Wer mehr private Sorgearbeit übernimmt, reduziert und unterbricht die Lohnarbeit. Über 50% der Frauen im Alter zwischen 30 und 65 Jahren arbeiten in Teilzeit, doch nur gut 7% der berufstätigen Männer. Im letzten Schritt für dies zum Gender Pension Gap, der „Rentenlücke“. Sie beträgt in Deutschland fast 45%, das ist der höchste Wert aller 37 Mitgliedsstaaten der OECD.

Die Corona-Pandemie hat, wie in so vielen Bereichen, auch hier die Probleme weiter verstärkt. Die Doppelbelastung durch Homeschooling und Homeoffice sowie der Wegfall von Betreuungsmöglichkeiten z.B. durch Großeltern betreffen zum überwiegenden Teil Frauen. Gleichzeitig arbeiten in den Berufen, deren „Systemrelevanz“ in der Pandemie deutlich wurde, überwiegend Frauen, u.a. in der Pflege und an der Supermarktkasse. Die schlechten Arbeitsbedingungen und die niedrige Bezahlung dieser Berufe wurden festgestellt, bisher allerdings, ohne dass daraus die richtigen Konsequenzen gezogen wurden.

Deshalb fordern die Grünen auf Bundeseben schon lange eine Besserstellung dieser Berufe, z.B. eine bessere Bezahlung und mehr Personal in Pflegeberufen. Aber um den Gender Care Gap zu schließen, müssen wir auf allen Ebenen der Gesellschaft etwas tun. Um die Rollenklischees, die zur stark unterschiedlichen Berufswahl führen und dazu, dass Tätigkeiten im Haushalt vor allem Mädchen vermittelt werden, zu brechen, müssen wir schon in der frühkindlichen Bildung beginnen. Auch Jungen sollen und dürfen sich um Puppen und die Spielküche kümmern. Männer, die bereit sind, Carearbeit zu übernehmen, ob in typischen „Frauenberufen“ oder bei der Erziehung und Pflege von Angehörigen, müssen auch von ihrem Arbeitgeber darin unterstützt werden. Dass Männer bei der Geburt ihres Kindes keine oder nur 2 Monate Elternzeit nehmen, sollte immer seltener werden.

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