Projekt Eichenhof Worpswede

Projekt Eichenhof Worpswede

Statement zum Projekt Eichenhof

Die Grünen Worpswede haben sich seit Bekanntwerden der Beschlussvorlage zum Entscheid zum Bebauungsplan des Eichenhofs erneut intensiv mit dem Projekt beschäftigt. Um ein möglichst stabiles, vielfältiges Meinungsbild zu erreichen, haben wir in vielen persönlichen Gesprächen und Terminen vor Ort alle Seiten gehört: die Bewertung der KNV (Koordinierungsstelle für Naturschutz beim Landkreis), den Tourismusverband Kulturland Teufelsmoor e.V., die Beurteilung der örtlichen Hoteliers, die Bedenken der Nachbarn, eine rechtliche Einschätzung auf Basis des RROPs, sowie die Pläne des Investors/des Bauvorhabenträgers.

Kirsten und Hans von Helldorff wünschen sich einen Ort, um internationale, kaufkräftige und kunstinteressierte Gäste zu empfangen, um Sterne-Gastronomie anzubieten und in größerem Rahmen Tagungen und Veranstaltungen durchzuführen. Dieser Ort soll ausdrücklich, nicht nur Gästen von außerhalb, sondern auch allen Worpsweder*innen offenstehen.

Ob ein Projekt dieser Größenordnung in Worpswede richtig angesiedelt ist, wird von ihnen bejaht; einen Betreiber hätten sie an der Hand; den Wert eines Einfamilienhauses hätten sie allein in die aktuellen Gutachten investiert, um damit die Anforderungen der Politik in vielen Bereichen noch zu übererfüllen – und das Projekt ist für sie eine Herzensangelegenheit.

Auch wenn umfangreiche Gutachten vorliegen, ist aus Sicht der Naturschutzverbände die Begutachtung zur notwendigen Fällung von 56 Bäumen, sowie der Schutz der Fledermäuse und die Bewertung des Einflusses auf die komplizierte Schichtengewässerlage nicht ausreichend. Die Naturschützer sagen: das Projekt ist an dieser Stelle zu groß.

Die örtlichen Hoteliers befürworten grundsätzlich ein Hotel, empfehlen jedoch eher ein luxuriöses Boutique-Hotel mit 50 Zimmern, das sich klar von den bisherigen Angeboten unterscheidet und ein anderes Segment anspricht. Eine reine Erweiterung des Angebotes könne zu einem Verdrängungswettbewerb führen. Bei Auslastungsquoten zwischen 30-35 % ist die Gefahr groß, dass ein vorhandener Betrieb auf der Strecke bleibt.

Die Nachbarn sind besorgt um die Natur und die bevorstehenden Emissionen (Lärm, Geruch, Verkehr etc.) die ihr ruhiges und naturnahes Zuhause stören könnten. Auch dass die Eichenallee die Baumaßnahmen unbeschadet überlebt, bezweifeln sie. Kritisch sehen sie außerdem die geplante Grundwasserabsenkung, deren Folgen für das umliegende, lange gewachsene Ökosystem verheerend sein könnte. Das belegen sie mit umfangreichen rechtlichen Begründungen und selbstgesammelten Informationen und Untersuchungen.

Bei unserer offenen Diskussion mit Bürger*innen am Freitag, den 25. Juni im Hotel Worpsweder Tor präsentierten wir unsere Ergebnisse und diskutierten die unterschiedlichen Sichtweisen mit 20 Teilnehmer*innen, u.a. das Investor-Ehepaar und Anwohner*innen.

Nach Bewertung all dieser Informationen kommen wir zu folgendem Fazit:

Warum haben Rat und Verwaltung nicht längst eine klare, eigene Vision zum geplanten Bauvorhaben und der touristischen und baulichen Entwicklung von Worpswede im Allgemeinen entwickelt?

Stattdessen wird ein Sonder-Termin mit Beschlussvorlage angesetzt, obwohl,

  • die Naturschutzverbände vor unvollständigen Gutachten warnen
  • die Anlieger in Osterwede rechtliche Bedenken äußern
  • die örtlichen Hoteliers verunsichert werden
  • Wirtschaftlichkeit und der Einfluss auf Hotels und Handel im Ort nicht ausreichend bewertet sind

Am Montag, den 28. Juni fand die Sondersitzung des Umwelt- Planungsausschußes des Worpsweder Gemeinderates statt. In hitziger Atmosphäre (nicht nur wegen der hochsommerlichen Temperaturen), über 4 Stunden, mit langatmigen Gutachtervorträgen, leidenschaftlichen, detailliert vorbereiteten Bürgerbeiträgen, blassen Statements der CDU- und SPD-Fraktionen, einem geschliffenen, abwägenden Plädoyer der UWG, einem vorsehbaren Ergebnis (CDU, SPD dafür, UWG dagegen) und vielen offen Fragen.

Eine entscheidende blieb unbeantwortet: wer ist der Investor?

Aber für uns stellt sich vor allem die Frage: sind Rat und Verwaltung überfordert mit diesem Projekt? Und ist seine Dimension für alle Beteiligten zu groß?

Das Interesse des Investors ist eine Chance, aber diese muss von der Politik gestaltet werden.

Bei solch einen Riesenprojekt muss in alle Richtungen tief gedacht werden und es sind noch viele Hausaufgaben zu machen, damit es kein Fiasko gibt. Vor allem aber müssen die Bürger*innen mitgenommen werden, damit es für den Eichenhof und für alle am Ende eine gute und verträgliche Lösung gibt.

3 Kommentare

  1. Ralf Hartmann

    Wie wäre es denn, wenn man das Hotel auf dem Schulgelände baut (Top Lage) und eine naturnahe, kleingliedrige Schule auf dem Eichenhof Gelände. Vieleicht eine win-win Situation für beide Seiten? Ein neues Hotel für Worpswede wäre ein Segen, der Standort…???

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